Europa als Chance begreifen | Juni 2018

Wirtschaftsforum 2018 der Wirtschaftsinitiative Kreis Gütersloh e.V.

Was bedeutet Europa für die Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger sowie für die Schulen im Kreis Gütersloh? Welche Chancen bietet uns das vereinte Europa und welche Herausforderungen müssen unbedingt gemeistert werden? Diesen Fragen widmete sich das diesjährige Wirtschaftsforum der Wirtschaftsinitiative Kreis Gütersloh e.V. unter dem Motto „Brennpunkt Europa“ im Corporate Center der Bertelsmann SE & Co. KGaA.

Ulrich Lünstroth von der Bertelsmann SE & Co. KGaA und Volker Ervens von der Wirtschaftsinitiative Kreis Gütersloh e.V. begrüßten die ca. 120 Gäste. Ervens hob hervor: „Europa ist für mich eine Herzensangelegenheit. Die Europäische Union ist für uns ein unschätzbares Gut und eine Garantie auf Sicherheit.“ Für die Unternehmen des Kreises Gütersloh habe Europa mit seinem Binnenmarkt vor allem eine große wirtschaftliche Bedeutung. Die Auslandsumsätze der Unternehmen im Kreis Gütersloh seien seit 2009 um 60 % gestiegen.
    
Aart de Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, betonte, dass Europa für uns gelebter Alltag und dennoch nicht selbstverständlich sei. Er plädierte für mehr Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen, denn „die pro-europäische Mehrheit muss wieder zu Wort kommen“. Mit dem Blick auf die weltpolitischen Entwicklungen warnte er: „Man wird uns als vereintes Europa wahrnehmen oder gar nicht“. Gleichzeitig forderte er, dass Europa seinen Bürgern zuhören und ihre Sorgen ernst nehmen müsste, um zukunftsfähig und stabil zu bleiben.

In der anschließenden Diskussion ging es um die Frage, was Europa für den Kreis Gütersloh, für seine Unternehmen, Kommunen und Schulen konkret bedeutet. Siegbert Geldner von der Paul Craemer GmbH berichtete, dass der europäische Binnenmarkt für sein Unternehmen noch viel Potenzial bietet. Auch hat die Craemer GmbH mit der Einführung einer dualen Ausbildung nach deutschem Modell in der Slowakei und England gute Erfahrungen gemacht. Auch Michael Meyer-Hermann, Bürgermeister der Stadt Versmold sah vor allem die großen Chancen, die der gemeinsame Markt für die Unternehmen birgt. Damit verbunden seien aber zusätzliche Anforderungen an die Kommunen, die sich mit der Frage beschäftigen müssen, wie die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Ländern vor Ort am besten zu integrieren sind.

Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass das Zusammenwachsen Europas am besten gelingt, wenn die Kinder möglichst früh, am besten schon in der Grundschule, ihre ersten Erfahrungen mit Europa machten. Wenn man andere Kulturen und Menschen aus anderen Ländern im Rahmen von Schüleraustauschen, Praktika oder Städtepartnerschaften kennenlernen kann, verliert man am ehesten die Scheu vor Fremdem und Andersartigem. Cara Eversmann und Loreen Neugebauer konnten das nur bestätigen und berichteten von ihren spannenden Auslandspraktika in den Niederlanden bzw. auf Malta. Auch Stephan Neitzel, zuständig für den Bereich Auslandspraktikum am Berufskolleg Halle, berichtete von einem ausschließlich positiven Feedback der Auszubildenden und appellierte an die Unternehmen, die Möglichkeit eines Auslandspraktikums zu einem regulären Bestandteil der Ausbildung zu machen.  Davon würden letztendlich alle Seiten profitieren.

In einer lebhaften Diskussion, die von Christine Etrich, WDR, moderiert wurde, kamen auch die Gäste zu Wort und äußerten ihre Gedanken zu Europa und die EU.  Trotz der vielen  Herausforderungen der jetzigen Zeit kann unsere Zukunft nur gemeinsames, vereintes Europa heißen, darin waren sich alle einig.